Das Vision Board, das nicht funktioniert - weil es nicht deins ist
- Marina M.

- 12. März
- 4 Min. Lesezeit
Ich erinnere mich noch genau an das Gespräch, das den Unterschied gemacht hat.
Ich habe mit einem Kollegen über Slack telefoniert und er fragte mich nach meinen Karriereambitionen. Ich antwortete ohne nachzudenken: „Vielleicht Lead Product Manager.“ Er nickte. Ich nickte. Das Gespräch ging weiter.
Am Ende des Arbeitstages merkte ich, dass ich keine einzige Sekunde überlegt hatte. Die Antwort war einfach da - fertig, glatt, sozial verträglich. Und dann kam die Frage, die mich lange beschäftigt hat: Wollte ich das wirklich? Oder wusste ich nur, dass man das wollen soll?
In wessen Leben passt diese Vorstellung?
Das bringt mich zum Thema dieses Artikels: Warum es so wichtig ist, unsere wahren Wünsche zu kennen und wie dieses Wissen den Erfolg deines Vision Boards beeinflusst.

Was Jung mit deinem Vision Board zu tun hat
Carl Jung hat das Konzept der Persona entwickelt. Es ist die Maske, die wir für die Außenwelt tragen. Nicht im negativen Sinne, vielmehr als Anpassungsleistung. Wir lernen früh, welche Version von uns erwünscht ist. Die ehrgeizige Tochter. Die erfolgreiche Kollegin. Die Frau, die „was aus sich macht.“
Das Problem ist nicht die Maske. Das Problem ist, wenn wir vergessen, dass wir sie tragen.
Gesellschaftliche Erwartungen - Karriere, Aufstieg, der ordentliche Lebenslauf - werden irgendwann zur inneren Stimme, die sich wie unsere eigene anfühlt.
Sie klingt überzeugend, weil sie schon so lange da ist. Weil sie von Menschen kommt, die es gut mit uns meinen. Weil sie funktioniert - zumindest nach außen.
Und dann sitzen wir vor einem leeren Vision Board und fragen uns, was wir wollen. Und die Persona antwortet als erste.
Du visualisierst die Persona, nicht dich
Wenn du ein Board füllst mit Beförderungen, Statussymbolen, Lebensentwürfen die du irgendwo gesehen hast - manifestierst du dann dich? Oder das, was andere für erstrebenswert halten?
Die meisten Vision Boards scheitern nicht an der Methode. Sie scheitern daran, dass die Wünsche nicht authentisch sind. Du kannst noch so viele Kerzen anzünden, noch so konsequent visualisieren - wenn das Bild nicht wirklich deins ist, zieht es dich nicht.
Irgendwann schaust du nicht mehr hin. Irgendwann staubst du es ab, ohne es zu merken.
Vielleicht ist das ein Signal, welches du dir genauer anschauen darfst?
Woher kommen die fremden Wünsche
Ein Teil kommt von außen - Familie, Freunde, Herkunft, Social Media, der unsichtbare Gesellschaftsvertrag der besagt: Karriere ergibt Status ergibt Sicherheit ergibt ein gutes Leben. Wir saugen das auf, bevor wir alt genug sind, es zu hinterfragen.
Aber es gibt noch eine zweite Quelle, über die weniger gesprochen wird: Wir testen unsere Wünsche einfach nicht.
Wir visualisieren das Ergebnis, ohne den Weg je wirklich berührt zu haben. Wir kleben Bilder aufs Board, bevor wir je geprüft haben, ob das Leben dahinter zu uns passt. Und so bleibt der fremde Wunsch unangetastet, weil er nie wirklich gelebt und damit auch nie wirklich widerlegt wurde.
Nehmen wir Auswandern. Ein Klassiker auf Vision Boards. Portugal, Lissabon, goldenes Licht, Kacheln, Meeresrauschen. Jahre lang auf dem Board. Jahre lang als „irgendwann.“

Wie wäre es stattdessen mit drei Wochen dort - aber nicht als Urlaub? Supermarkt, Alltag, Einsamkeit an einem Dienstagabend, wenn die Romantik sich verabschiedet hat. Dann weißt du mehr als nach zehn Jahren Visualisierung. Dann kannst du zum ersten Mal wirklich entscheiden.
Vision Boards können hier sogar kontraproduktiv sein: Sie zementieren ein Bild, bevor man weiß ob es überhaupt passt. Die Persona bekommt eine visuelle Bestätigung - und die echte Frage bleibt ungestellt.
Wie erkennst du, ob ein Wunsch wirklich deiner ist
Ich kenne keine perfekte Methode. Aber es gibt ein paar Fragen, die ich mir selbst immer wieder stelle.
Würdest du diesen Wunsch wollen, wenn niemand davon wüsste? Wenn er unsichtbar wäre - keine bewundernden Kommentare, keine Anerkennung von außen?
Fühlt er sich nach Freiheit an oder nach Pflicht?
Gibt es beim Gedanken daran Energie - oder Erschöpfung?
Und die einfachste Frage überhaupt: Erfüllt er dich mit Freude? Nicht mit Stolz darüber, was andere denken werden. Nicht mit Erleichterung, weil du „auf Kurs“ bist. Sondern mit echter, stiller Freude - die du spürst, bevor du anfängst, sie zu rechtfertigen. Freude ist ein körperliches Signal. Sie sitzt nicht im Kopf, sie sitzt im Brustkorb. Und sie lügt nicht.

Wie mein echtes Bild aussieht
Nun zu meinem Karriereaufstieg. Ich habe einfach aufgehört, Energie in einen Wunsch zu stecken, der nicht meiner war. Den Wunsch nach der nächsten Position, dem nächsten Level, dem Lebenslauf der sich gut liest. An der klassischen Karriere ist nichts falsch, aber dieser spezifische Hunger kam nie aus mir. Ich liebe meinen Beruf, aber will ich wirklich in die Führungsposition?
Was dieser Schritt freigemacht hat: sacred inside. Manifestations-App VISIYA. Das Aufbauen nebenbei, in den Zwischenräumen, in der Elternzeit. Es ist ein laufender Prozess, mit Unklarheiten, mit Momenten wo ich nicht weiß wohin. Mit Fragen, ob sich das irgendwann lohnen wird. Aber mit mehr Richtigkeit. Mit mehr von dieser stillen Freude, die ich vorher beschrieben habe.
Das ist für mich der Unterschied zwischen einem Vision Board das funktioniert, und einem das verstaubt. Nicht die Bilder. Nicht die Technik. Sondern die Ehrlichkeit der Frage davor.
Ein Board das wirklich deins ist
Ein Vision Board das funktioniert beginnt nicht mit Bildern. Es beginnt mit der Frage: Wessen Leben stelle ich hier eigentlich dar?
Und manchmal - besonders wenn die Antwort darauf zu glatt und zu schnell kommt - lohnt es sich, noch einmal hinzuschauen. Tiefer. Unter die Persona. Unter das Skript.
Was bleibt, wenn du dir nichts beweisen musst? Das ist der Wunsch der auf dein Board gehört.
Wenn dieser Artikel etwas in dir bewegt hat, teile deine Erfahrungen mit Vision Boards. Deine Geschichte könnte einer anderen Leserin helfen, ihre echten Wünsche zu entdecken.
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